AVGS und § 16k
Fehlzeiten und Abbruchquoten bei AVGS-Maßnahmen dokumentieren
Fehlzeiten und Abbrüche sind in AVGS-Maßnahmen alltäglich – und trotzdem oft schlecht dokumentiert. Wer nur gehaltene Coachings schreibt, aber Absagen und Maßnahmeenden in E-Mails verliert, kann Quoten weder steuern noch erklären. Seit dem 1. Juli 2026 kommt ein zweiter Grund hinzu: Mit der neuen Grundsicherung können Abbrüche für Teilnehmende aus dem Jobcenter spürbare Folgen haben. Umso wichtiger ist eine saubere, neutrale Spur. Dieser Beitrag zeigt eine praktische Systematik: Status am Termin, Nachweis in der Akte, Meldung an die zuständige Stelle und ein ehrlicher Blick auf Abbruchquoten. Er ersetzt keine Rechtsberatung, sondern beschreibt, wie Bildungsträger den Alltag belastbar organisieren.

Geschäftsführer eines seit 2020 AZAV-zertifizierten Bildungsträgers und Mitentwickler von Matiamu
Aktualisiert am 16. September 2026 · fachlich geprüft
Kurz beantwortet
Was zählt in AVGS-Maßnahmen als Fehlzeit?
Üblich ist jede geplante, aber nicht wahrgenommene Einheit – entschuldigt oder unentschuldigt, je nach Ihrer internen Definition. Wichtig ist, dass der Status am konkreten Termin hängt und nicht nur in einer Monatssumme existiert.
Ab wann spricht man von einem Abbruch?
Ein Abbruch ist das vorzeitige Ende der Teilnahme vor dem geplanten Maßnahmeende. Die genaue Abgrenzung (z. B. nach mehreren unentschuldigten Fehltagen ohne Kontakt) sollten Sie intern festlegen, im QM beschreiben und mit der zuständigen Stelle abstimmen.
Müssen Fehlzeiten an Agentur oder Jobcenter gemeldet werden?
In der Regel ja. § 318 SGB III verpflichtet Träger zu Auskünften und sieht die regelmäßige Mitteilung von Fehltagen samt Gründen an die Agentur vor, § 61 SGB II regelt Auskunftspflichten gegenüber dem Jobcenter. Form und Takt ergeben sich zusätzlich aus Gutschein, Zuweisung oder Vertrag.
Was ändert die neue Grundsicherung 2026 bei Fehlzeiten?
Für Teilnehmende im Grundsicherungsgeld können Pflichtverletzungen wie der Abbruch einer Maßnahme seit Juli 2026 zu einer Minderung um 30 Prozent führen. Darüber entscheidet das Jobcenter, nicht der Träger. Umso wichtiger sind neutrale, belegbare Angaben.
Wie hängen Fehlzeiten und Anwesenheit zusammen?
Es ist derselbe Datensatz: anwesend oder nicht, am selben Termin. Separate Schattenlisten erzeugen Widersprüche zwischen Kalender, Meldung und Akte.
Können hohe Abbruchquoten ein Audit-Thema werden?
Auffällige Muster können fachlich nachgefragt werden – etwa ob Teilnehmende zur Zielgruppe passen oder ob die Dokumentation Lücken hat. Eine Quote ist ein Hinweis, keine automatische Pflichtverletzung des Trägers.
Hilft Software bei der Auswertung?
Ja, wenn der Status einheitlich erfasst wird. Filter und Übersichten zeigen Häufungen und offene Meldungen. Die Bewertung (Ursache, Steuerung, QM-Maßnahme) bleibt Aufgabe des Trägers.
Warum Fehlzeiten in AVGS-Maßnahmen so leicht unsichtbar werden
Im Gruppenkurs fällt eine leere Stuhlreihe auf. Im Einzelcoaching verschwindet eine Absage in Telefonnotiz oder Chat. Nach vier Wochen weiß niemand mehr, ob dreimal verschoben oder zweimal nicht erschienen wurde. Genau diese Unschärfe macht Abbruchquoten zu Bauchgefühl statt zu einer steuerbaren Größe.
Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: Jeder geplante Termin bekommt einen Status. Gehalten, verschoben, entschuldigt, unentschuldigt, ausgefallen. Ohne Status gibt es keine Quote, die Sie ernsthaft diskutieren können – weder intern noch gegenüber einem Kostenträger. Eine saubere Anwesenheitserfassung ist deshalb keine Verwaltungsfleißarbeit, sondern die Grundlage für jede spätere Aussage.
Neue Grundsicherung 2026: Warum Fehlzeiten jetzt schwerer wiegen
Seit dem 1. Juli 2026 gilt die neue Grundsicherung, und aus dem Bürgergeld ist das Grundsicherungsgeld geworden. Für viele AVGS-Teilnehmende aus dem Jobcenter ändern sich damit die Folgen von Pflichtverletzungen: Wer eine zumutbare Maßnahme abbricht oder Anlass für den Abbruch gibt, muss nach aktuellem Stand mit einer Minderung des Regelbedarfs um 30 Prozent rechnen. Wiederholte Meldeversäumnisse beim Jobcenter werden ebenfalls stufenweise sanktioniert.
Wichtig für Bildungsträger: Sie entscheiden nicht über Leistungsminderungen. Das tut das Jobcenter nach Anhörung der betroffenen Person. Ihre Dokumentation kann aber Teil der Tatsachengrundlage werden. Ein unscharfer Eintrag wie „war öfter weg“ hilft niemandem – weder dem Jobcenter noch der teilnehmenden Person, die einen wichtigen Grund geltend machen möchte. Ein klarer Status mit Datum, Kontaktversuch und vorgelegtem Nachweis dagegen schon.
Daraus folgt kein Misstrauensmodus, sondern Sorgfalt. Fehlzeiten sollten weder dramatisiert noch verschwiegen werden. Sie gehören sachlich an den Termin, mit dem Wissen, dass diese Daten für Menschen spürbare Folgen haben können.
Status am Termin, Nachweis in der Teilnehmerakte
Hängen Sie den Fehlzeitenstatus an den Termin, nicht an eine lose Excel-Spalte „Fehltage“. Atteste, schriftliche Absagen oder Vermerke zur Erreichbarkeit gehören in die Teilnehmerakte, verknüpft mit dem Zeitraum. So bleibt die Spur auch bei Vertretung erklärbar.
Nach einem gehaltenen Termin dokumentieren Sie den Verlauf. Nach einem ausgefallenen Termin dokumentieren Sie den Ausfall – kurz, aber verbindlich. Beides ist AVGS-Dokumentation, nur mit anderem Vorzeichen. Wer beides in derselben Kette führt, muss vor Meldungen oder Audits keine Listen zusammensuchen.
- Geplanten Termin nie löschen, sondern mit Status versehen
- Verschiebung als neuen Termin plus Bezug zum alten führen
- Kontaktversuche mit Datum und Kanal festhalten
- Vorgelegte Nachweise (z. B. Arbeitsunfähigkeit) in der Akte ablegen, ohne Diagnose
- Abbruchdatum und letzten Kontakt verbindlich erfassen

Fehlzeiten melden: Mitteilungspflichten nach § 318 SGB III und § 61 SGB II
Träger von Maßnahmen der Arbeitsförderung haben Auskunftspflichten. § 318 SGB III verpflichtet sie, der Agentur für Arbeit Tatsachen mitzuteilen, die für die Förderung erheblich sind, und sieht vor, dass Fehltage der Teilnehmenden samt Gründen regelmäßig übermittelt werden – in der Regel über die von der Bundesagentur bereitgestellten Wege. Für Leistungen zur Eingliederung im SGB II regelt § 61 SGB II entsprechende Auskunftspflichten gegenüber dem Jobcenter.
In der Praxis kommen Vorgaben aus Gutschein, Zuweisung oder Vertrag hinzu: Manche Stellen erwarten eine sofortige Mitteilung bei unentschuldigtem Fehlen, andere eine monatliche Übersicht. Legen Sie intern fest, wer meldet, bis wann und auf welchem Weg – und dokumentieren Sie die Meldung selbst mit Datum. Eine Meldung, die niemand belegen kann, ist im Streitfall so gut wie keine.
Hilfreich ist ein Vordruck, mit dem Teilnehmende ihre Fehlzeit selbst erklären können. So liegt die Begründung in eigenen Worten vor, und der Träger muss nichts interpretieren. Matiamu bietet dafür einen vorbefüllten Vordruck „Stellungnahme zu Fehlzeiten“ direkt an der Einbuchung.
- Zuständige Stelle je Teilnahme kennen: Agentur für Arbeit oder Jobcenter
- Meldeweg und Frist aus Gutschein, Zuweisung oder Vertrag übernehmen
- Fehltage mit Grund melden, nicht nur als Summe
- Meldung selbst mit Datum in der Akte vermerken
Wichtiger Grund oder unentschuldigt? Fehlzeiten neutral dokumentieren
Ob ein wichtiger Grund vorliegt, bewertet am Ende die zuständige Stelle. Der Träger dokumentiert Tatsachen: Termin nicht wahrgenommen, Absage eingegangen oder nicht, Nachweis vorgelegt oder angekündigt, Kontaktversuche. Wertende Formulierungen wie „unzuverlässig“ oder „kein Interesse“ gehören nicht in die Meldung. Sie helfen weder bei der Klärung noch halten sie einer Nachfrage stand.
Gesundheitliche Details sind besonders heikel. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung belegt den Ausfall – eine Diagnose gehört nicht in Notizfelder, die viele Rollen sehen. Datensparsamkeit ist hier kein Formalismus, sondern Schutz der Teilnehmenden und des Trägers.
Eine gute Faustregel: Formulieren Sie jeden Eintrag so, dass Sie ihn der teilnehmenden Person vorlesen könnten. Was diesen Test besteht, besteht meist auch Audit, Widerspruch und Rückfrage.
Abbruchquoten richtig berechnen und lesen
Eine Abbruchquote ohne Nenner ist wertlos. Beziehen Sie Abbrüche auf begonnene Teilnahmen im Zeitraum, nicht auf „alle jemals Eingebuchten“. Beispiel: 40 Teilnahmen haben im Quartal begonnen, 4 endeten vorzeitig ohne Arbeitsaufnahme – das ergibt 10 Prozent. Wer stattdessen alle 120 aktiven Akten als Nenner nimmt, rechnet sich die Quote schön.
Unterscheiden Sie die Gründe: Aufnahme einer Arbeit, Krankheit, Umzug, Trägerwechsel und Abbruch ohne Kontakt. Eine vorzeitige Beendigung wegen Arbeitsaufnahme ist fachlich oft ein Erfolg und sollte nicht in derselben Zahl landen wie ein Kontaktabbruch.
Hohe Quoten können viele Ursachen haben: unpassende Zuweisung, lange Wartezeiten, unklare Ziele, schwache Erreichbarkeit. Software macht die Zahl sichtbar. Ob Sie das Aufnahmeverfahren, die Taktung oder die Dokumentation ändern, ist eine Entscheidung im Qualitätsmanagement.
- Nenner: begonnene Teilnahmen im Zeitraum
- Zähler: vorzeitige Beendigungen, getrennt nach Grund
- Arbeitsaufnahme gesondert ausweisen
- Zeitraum und Definition bei jeder Auswertung mitschreiben
Fehlzeiten in der ganzheitlichen Betreuung nach § 16k
In der ganzheitlichen Betreuung nach § 16k SGB II sind Fehlzeiten oft mit Lebenslagen verknüpft. Das ändert nichts an der Pflicht zur Spur: Termin nicht wahrgenommen, Kontaktversuch, nächster Schritt. Es ändert die Sprache: sachlich, ohne unnötige Details in ungeschützten Feldern.
Zugriffsrechte gehören hier zur Dokumentation dazu. Nicht jede Rolle muss jede Begründung sehen. Eine nachvollziehbare Fehlzeit heißt nicht, private Informationen breit zu streuen.
Eine interne Fehlzeiten-Regel, die das Team trägt
Schreiben Sie auf einer Seite fest: Was gilt als entschuldigt? Nach wie vielen unentschuldigten Ausfällen sprechen wir intern von Gefährdung der Teilnahme? Wer dokumentiert den letzten Kontakt vor einem Abbruch? Wer meldet an Agentur oder Jobcenter, und bis wann? Ohne diese Sätze diskutiert jedes Team dieselben Fälle neu.
Verwechseln Sie diese interne Linie nicht mit Gesetzestext. Sie ist QM: einheitlich, bekannt, gelebte Praxis. Wenn die zuständige Stelle andere Fristen erwartet, passen Sie die Linie an – und ändern Sie den Prozess, nicht heimlich die Excel-Logik einzelner Coaches.
Technisch folgt daraus nur eines: Statuswerte müssen dieselben sein. „krank“, „Krank“, „K“ und eine leere Zelle sind vier Wahrheiten. Eine digitale Erfassung mit festen Werten verhindert genau das – und macht Abbruchquoten erst vergleichbar. Halten Sie die Werte klein: anwesend, entschuldigt, unentschuldigt, verschoben, abgebrochen reicht meist. Jede Sonderkategorie, die nur eine Person versteht, zerstört die Quote wieder.
Steuerung im Alltag: der wöchentliche Fehlzeiten-Check
Bildungsträger, die Quoten nur für Berichte erzeugen, entdecken Probleme zu spät. Sinnvoller ist ein kurzer wöchentlicher Blick: Welche Teilnahmen haben mehrere unentschuldigte Ausfälle? Wo fehlt der letzte Kontakt? Welche Meldung ist noch offen? Das ist Operations, nicht Controlling-Theater – und oft der Moment, in dem ein Gespräch einen Abbruch noch verhindert.
Matiamu als AVGS Software unterstützt Bildungsträger dabei, Termine, Status, Nachweise und Akten zusammenzuführen. Die Plattform berechnet keine „gute“ Abbruchquote und entscheidet keine Meldepflicht. Sie macht Muster sichtbar, bevor sie nur noch in der Auditmappe stehen.
Offizielle Quellen
Gesetz, Weisung und Beirat – keine Rechtsberatung und keine Garantie. Maßgeblich sind der Wortlaut und Ihre fachkundige Stelle.
- § 318 SGB III – Auskunftspflicht bei Maßnahmen der Arbeitsförderung · Gesetze im Internet
- § 61 SGB II – Auskunftspflichten bei Leistungen zur Eingliederung in Arbeit · Gesetze im Internet
- § 31a SGB II – Rechtsfolgen bei Pflichtverletzungen · Gesetze im Internet
- § 45 SGB III – Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung · Gesetze im Internet
- Empfehlungen des Beirats nach § 182 SGB III (Bekanntmachung 17.06.2026) · Bundesagentur für Arbeit
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Fehlzeiten am Termin sichtbar machen
Mit Matiamu gehören Absagen, No-Shows und Abbrüche in dieselbe Kette wie gehaltene Coachings – nachvollziehbar in der Teilnehmerakte und bereit für die Meldung.
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